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8SB.de - Themen

 

14. November 2015

 

Erroristen

Sieben Neubewerber fürs Paradies, mit Hoffnung auf - 7x72 - fünfhundertvier neue Jungfrauen. Abenteuerlich.

Das Abenteuer der sieben wird freilich perfekt sein, wenn sie sich vor den Toren der Hölle wiederfinden. Da warten 72 Teufel pro Selbstmordattentäter.

(Aber vielleicht mögen sie's ja trotzdem...)

 

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November 2015

 

„Rattenfänger“ –

das ist auch so ein Wort. Es sind kluge Leute unter denen, die es benutzen, und trotzdem liegen sie alle haarscharf daneben.

Wen sie mit „Fänger“ meinen, ist jeweils klar: die einen den nach rechts gewandten politischen Gegner, die anderen den linken. Das sind „Rattenfänger“, die mit billigen Parolen und wohlfeilen, klingenden Argumenten Ratten fangen.

Aber wer sind die „Ratten“? Die Leute, die ihnen nachlaufen? Sollen wirklich Menschen als „Ratten“ bezeichnet werden?

Natürlich nicht. Es ist einfach Gedankenlosigkeit, mit der die Routineredner das böse Wort herumreichen, das irgendwann – gar zu lange mag es nicht her sein – ein cleverer Demagoge aus Berechnung oder ein Sprachdummer mit gezieltem Fehlgriff nach der Wortschatzkiste in die Umlaufbahn gebracht hat. Sie schätzen ihre Sprache nicht. Sie benutzen sie, aber sie gehen nicht mit ihr um. Sie machen es sich leicht, sie denken nicht darüber nach.

Der Begriff, den sie meinen, ist „Bauernfängerei“. Das ist ein altes, hergebrachtes Wort mit sprechendem Hintergrund. „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ hieß einst eine Fernsehsendung, die vor Betrügern und ihren tausend Tricks warnte. Das Wort ist freilich älter und geht womöglich auf die fiesen Kniffe von Militärwerbern zurück, die Soldaten für den Krieg des Fürsten heranschaffen sollten.

„Rattenfänger“ hingegen ist derjenige von Hameln. Und bitte, man erinnere sich! Er fing die Ratten – richtige Ratten! – im Auftrag der Bürger, die ihm ein Honorar dafür versprochen hatten. Als er die Aufgabe tatsächlich bewältigte, gaben sie es ihm aber nicht. Da war der Rattenfänger im Recht und die Bürger die Betrüger.

Als Rache für das gebrochene Versprechen hat er sich daraufhin als „Kinderfänger“ betätigt, zog wiederum mit seiner Flöte durch die Stadt, und alle Kinder von Hameln folgten ihm im Zuge zum Tor hinaus – ohne Wiederkehr. Eine harte Strafe, möchte man sagen. Und kein Ruhmesblatt für die Beteiligten.

Dumme Sache. In diesem Kontext von Bedeutungen steht das Wort „Rattenfänger“, und wer es verwendet, sollte sich das vorher bewusst machen. Sonst mag er plötzlich mit der Frage konfrontiert sein, welche Rolle in der schillernden Metapher denn die seine ist.

Und jetzt noch die Freudsche Interpretation: Darin, dass sich das Wort „Rattenfänger“ wie ein wucherndes Unkraut in den falschen Sprachgebrauch einschleichen konnte, drückt sich etwas aus: Das ist der Riss, der durch diese Gesellschaft geht wie lange nicht zuvor.

Wenn Menschen sich voneinander lossagen, statt miteinander zu reden, ist der Punkt nicht fern, wo sie sich gegenseitig als Ratten bezeichnen.

Und dann geht es um mehr als nur um ein Wort.

 

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Februar 2014

Stellt euch vor, es ist Olympiade, und kein Schwein guckt hin.

Also, mir ist jedenfalls nach all den Vorgeschichten der Appetit gründlich verdorben. Enteignete Grundstücke, vertriebene Einwohner, ausgebeutete Fremdarbeiter, brachiale Umwelt- und Landschaftszerstörung, untergebügelte Tscherkessen, und überhaupt all die skandalösen Nachrichten um eingesperrte Pussy-Frauen und verbotene schwule Männer und was weiß ich noch.

Das hat man doch im Kopf! Das macht doch einen schlechten Geschmack im Mund! Sotschi/Sochi ist doch schon vor Entzündung dieses albernen olympischen Feuers (sie hatten die Fackel sogar in den Orbit transportiert, nur Sauerstoff zum Brennen gab es dort nicht...) eine anrüchige Veranstaltung.

Also: einfach nicht hingucken! Das ist das Mindeste. Es geht ja gar nicht anders.

Aber - Schreck schon am ersten Tag! - gar nicht hingucken geht nicht! Wohin man den Blick richtet - die Olympiade steht schon da. Worauf man hört - man bekommt Olympiade um die Ohren. Von früh bis wieder früh. Fernsehen, Radio, Web sind dieselben, die zuvor das andere berichteten. Nun das.

Der alte Spruch vom Krieg, zu dem keiner kommen wird, ist zwar eine Utopie: "Sometimes they'll give a war and nobody will come", heißt es (und zwar nicht bei Bert Brecht). "Eines fernen Tages"... In der heutigen Welt, da findet der Krieg noch sein Publikum.

Und leider gibt es auch diese Olympiade in Sotschi. Sie haben es geschafft, und die Medien berichten alles. Sie tun, was sie immer tun, was sollen sie machen. Sie werden euch erwischen. Zwar lässt sich die Fernsehabteilung im Elektronikladen meiden, aber im Supermarkt, im Restaurant, irgendwo da draußen... Man kann sich den Kopf ja nicht im Sand vergraben!

Allzumeist gibt es jedoch eine Taste. Das ist keine Utopie: Einfach draufdrücken!

Stellt euch vor, sie geben Olympiade, und ALLE GUCKEN WEG.

 

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April 2011

Arme Silke

Unter dem AUCH nicht selbst ausgedachten Titel „Heul doch“ hat eine Autorin namens Silke Janovsky in der „Berliner Zeitung“ einen etwas missgünstigen und übellaunigen Artikel verbreitet, in welchem sie unter munterbunter Verwendung jedweden Klischees, das man irgendwo einmal über James Blunt gehört haben mag, sein Berliner Konzert von oben herab verlacht.

Hier zum Beweis der Link (nicht lesen!):
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/336372/336373.php?ycl=rss

Doch gelesen? Ich ja auch.

Der Artikel ist ein typischer Fall von vorher gewusst und dann nicht richtig hingeguckt. Eigentlich wär’s ja keine Erwähnung wert. Nur eben – es offenbart so schön das Dilemma aller Kritiker:

Ein Kritiker muss über alles schreiben, auch wenn er’s nicht mag.
Ein Kritiker muss alles kritisieren, auch wenn er’s nicht recht versteht.
Ein Kritiker muss originell scheinen, auch wenn er nichts zu sagen hat.
Ein Kritiker kann selber nichts – nur drüber schreiben. Das nagt.

Arme Silke Janovsky. Sie hatte nichts davon.

Aber ich.

 

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